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Artikel und Meinungen auf dieser Seite, die nicht direkt von der Palästinensischen Gemeinde Österreich stammen, müssen nicht unbedingt der Meinung der Palästinensischen Gemeinde Österreich entsprechen. Alle Rechte vorbehalten.

 

Aus der Nähe: Israelis entdecken das besetzte Palästina

ZwÖlf erschÖpfte Frauen und Männer schleppen sich die Stufen des kleinen Hauses hinauf, lassen Rucksäcke und Regenkleidung fallen und sinken auf die für sie bereitgelegten Matratzen. Etwas misstrauisch beäugen sie die an losen Drähten hängenden die Glühbirnen und die halbfertigen Steckdosen. Immerhin funktioniert der Heizstrahler zum Wärmen der Hände. Dieses Haus ist ganz anders als die vertraute Umgebung in Jerusalem oder Tel Aviv. Aber hier werden sie in den nächsten paar Tagen zuhause sein: Mitten in der Westbank. Obwohl die Anreise nur gut eine Stunde gedauert hat,. haben sie einen langen Weg hinter sich: Sie sind jetzt in einem anderen, in einem besetzten Land. 

Der erste Tag im �Mikarov�-Projekt ist für die Gruppe besonders anstrengend, �Mikarov� ist Hebräisch und bedeutet �aus der Nähe� oder �verwandt� � das Projekt zeigt Israelis das Leben von Palästinensern in der nÖrdlichen Westbank. Zwei Teilnehmerinnen, Rachel und Claire, haben SÖhne, die als Soldaten in de Westbank stationiert sind. �Mikarov� ist eine Gemeinschaftsprojekt vom Internationalen Frauen- Friedensdienst (IWPS), dem Israeli Committee Against House Demolitions (ICAHD), Checkpoint Watch und dem Alternative Information Center. Das Projekt wurde federführend von IWPS mit dem ehrgeizigen Ziel entworfen, die gängige Form der Solidaritätsarbeit von Israelis in der Westbank zu verbessern. 

Die teilnehmenden Israelis kommen aus nächster Umgebung in die besetzten palästinensischen Gebiete. Trotzdem unterscheidet sich die Lebenswirklichkeit der Menschen hier vollkommen von ihrer eigenen. üblicherweise kennen die Israelis das Leben aus der Westbank hÖchstens aus den Kommentaren des israelischen Kolumnisten Gideon Levy. Levy schreibt für die liberale israelische Tageszeitung Haaretz. Die Teilnehmer des Mikarov Projekts kommen der ihnen nur vage bekannten Realität sehr viel näher.

Wir Internationale sind es gewohnt, von Palästinensern zu hÖren: �Das Wichtigste ist, dass ihr in eure Länder zurückgeht und den Leuten dort erzählt, was hier passiert.� Als internationalen Aktivisten genie�en wir ein hohes Ma� an Unterstützung von unseren Freunden und Familien. Wenn wir in unsere Heimat zurückkehren, will jeder hÖren, was wir sahen, wen wir trafen und was wir gelernt haben. Wir zeigen Bilder und Filme. Wir bekommen Feedback und Spenden für unser Projekt.

Bei den israelischen Aktivisten ist das sehr viel anders. Wenn sie an Solidaritätsaktionen teilnehmen, etwa mit den �Rabbinern für Menschenrechte� Oliven pflücken oder mit der ICAHD11 Israeli Committee Against House Demolitions zerstÖrte Häuser aufbauen, kÖnnen sie oft niemandem erzählen, wo sie waren und was sie dort gemacht haben. Viele haben keinen Platz, über ihre Erlebnisse zu sprechen. Selbst nahe Freunde kÖnnten sie als Verräter betrachten, oder ihnen vorwerfen, dass sie nur Probleme suchen. Weil die Fahrt in die Westbank relativ wenig Zeit braucht, fällt das Verschweigen des eigenen Engagements oft leicht. Die Schizophrenie des Konflikts bringt selbst die Friedensbewegung dazu, eine gewisse Distanz zu wahren.
Das Projekt Mikarov durchbricht Distanz. Es hilft Israelis, die Besatzung �aus der Nähe� zu erleben � und in der israelischen Gesellschaft von diesem Erlebnis zu berichten. 

Der erste zehntägige Mikarov-Workshop fand zwischen 26. Dezember 2003 und 24 Januar 2004 statt und führte neun Frauen und zwei Männer im Alter von 18 bis 56 Jahren in die Westbank. Darunter Psychotherapeuten, professionelle oder noch lernende Künstler, PhotografInnen, Kameraleute und SchauspielerInnen.
Der Workshop begann mit einem Einführungstag in Ostjerusalem. Für über die Hälfte der Gruppe war es der erste Besuch in Ostjerusalem. Naama von ICAHD holte die TeilnehmerInnen in der Nähe des Jaffatores ab und begleitete sie in einem 15 minütigen Spaziergang �auf die andere Seite�. Der Palästinenser Mohammad Jode aus Qalqilya, die Israeli Shelly Nativ aus Tel Aviv und die US-Amerikanerin Alisa Klein bildeten das Trainingsteam. Am Einführungstag moderierten sie unterschiedliche übungen wie zum Beispiel zur Gruppenbildung; ein Sprecher der israelischen Menschenrechtsorganisation B�tselem gab eine Einführung in Menschenrechtsbeobachtung.

Das folgende Wochenende begann mit einer Führung im Umkreis Jerusalems. Die Gruppe informierte sich über die Siedlungspolitik und die Annektierung weiter Teile Jerusalems: Sie sahen zerstÖrte Häuser, trafen sich mit einer Frau aus dem Flüchtlinglager und besuchten die acht Meter hohe Mauer in Abu Dis, die Familien auseinander rei�t und die Studenten von der dortigen Universität trennt. Als die Grenzpolizei plÖtzlich Tränengas über die Mauer warf, riefen einige Teilnehmer gleich bei ihren Freunden in Israel an: �Du glaubst nicht, was hier passiert.�
Die Gruppe übernachtete im Dorf Anata. Das Haus der Gastfamilie nebenan, zerstÖrten die israelischen BehÖrden vier mal. Viele Teilnehmer übernachteten das erste Mal in einem palästinensischen Dorf.

Zwischen dem ersten und dem nächsten Wochenende hatten die Teilnehmer die Aufgabe, mindestens einer Person von ihrem ersten Wochenende zu erzählen - und zwar einer Person, mit der sie zuvor noch nie über die israelische Besatzung der Westbank diskutiert hatten. Viele sagten danach, dass diese Erfahrung beängstigender war, als mit Tränengas beschossen zu werden. 

Die fünf Intensivtage begannen im IWPS-Büro in Hares. In diesen Tagen wurden DÖrfer und Familien besucht und Gespräche mit Aktivisten und Vertretern verschiedener palästinensischer Organisationen geführt. Vor allem erlebte und dokumentierte die Gruppe die Auswirkungen der Besatzung. In kleineren Gruppen fuhren die �Mikarovs� zur Apartheidmauer, die die Palästinenser in Ghettos einsperrt. In Mas�ha und Jayyous sahen sie Bauernfamilien in einer Schlange auf Soldaten warten, die das Tor zwischen ihrem Dorf und ihrem Land aufsperren sollten. Sie hÖrten von den Bauern, wie ihr Leben und ihre Familie durch die Mauer entzwei gerissen wird. In Deir Ballut sprachen sie mit einer Mutter, die in der Vorwoche ihre Zwillinge zur Welt brachte - am Checkpoint, weil ihr die Durchfahrt verwehrt wurde. Die Zwillinge starben kurz nach der Geburt. Die Gruppe übernachtete in Yanoun und sah unmittelbar die Auswirkungen der Siedlergewalt auf ein kleines Dorf.

Die Israelis reisten während der ganzen Zeit wie Palästinenser. Während Israelis normalerweise in Autos mit gelbem Nummernschild nutzen und damit an den Checkpoints durchgewunken werden, musste die Mikarow-Gruppe in Autos mit grün-wei�em Nummernschildern der Palästinenser oft stundenlang auf ihre Abfertigung warten. Am dritten Tag war eine Demonstration in Budrus und danach ein Treffen in Anata geplant, aber die Westbank war unter �Closure� per Militätdikret geschlossen. Deshalb hing die Gruppe den ganzen Tag an Checkpoints fest. Am ersten Checkpoint bewarfen Soldaten ein Auto mit Steinen, weil der Fahrer nicht schnell genug angehalten hatte. Danach sprachen sie mit einer Familie, die versuchte ihr schwerkrankes Kind ins Krankenhaus zu bringen - und nicht durch den Checkpoint gelassen wurde. Als die Gruppe dann schlie�lich abends in Anata ankam, waren alle Tagespläne hinfällig geworden. Eine bedrückende und neue Erfahrung für die Israelis � Alltag für den palästinensischen Fahrer der Gruppe , der nicht mehr zu seiner Familie zurückkehren und die Nacht ebenfalls in Anata verbringen musste. 

Am letzten Wochenende beschäftigte sich die Gruppe mit der Frage, wie man die Haltung der israelischen Öffentlichkeit zur Besatzung konkret beeinflussen kann. Politische Künstler wie Ronen Eidelman und Tal Adler stellten verschiedene künstlerische Projekte vor, die das Öffentliche Bewusstsein beeinflussen sollen. So haben Studenten von Ronen Eidelmann �politische Tabletts� für beliebte Bars entworfen. Die Tabletts haben in den Bars gro�e Diskussionen unter den Gästen ausgelÖst. Befürworter des Projekts informierten einen Journalisten. Als die Gegner der Aktion den gleichen Journalisten kontaktierten, war die journalistische Story komplett. Die Zeitung berichtete über die Auseinandersetzung, das Projekt wurde in Israel sehr bekannt und gab Gelegenheit, die Besatzung in das kollektive Bewusstsein zu heben. 

Die Teilnehmer haben verbindlich zugesagt, an Aktionen zu arbeiten, um die israelische Friedensbewegung zu erweitern und vertiefen. Rotem, ein 19jähriger Kriegsdienstverweigerer und Jugendleiter wird FamilienangehÖrigen von MikarovteilnehmerInnen das Dorf Yanoun zeigen. Dafna, eine professionelle Fotografin, wird zusammen mit einer zweiten Teilnehmerin an einem Info-Poster arbeiten, das in ganz Tel Aviv plakatiert wird. Rachel, eine amerikanische Jüdin, die 1965 nach Israel immigrierte, wird amerikanische Juden informieren. 

 

Einige der MikarovteilnehmerInnen werden den nächsten Workshop mitorganisieren. IWPS hat auch schon einige Nachfragen von potentiellen Teilnehmern bekommen. 

In der Evaluierung des Workshops sprachen alle Teilenehmer davon, dass das Projekt ihr Leben verändert habe � jetzt geht es darum, die israelische Gesellschaft insgesamt zu verändern.

Text: Kate, IWPS
übersetzung: Karin, Edited by m.
Photos von Hilit � einer Mikarovteilnehmerin sehen sie mit dem detailierten englischen Originalbericht unter
www.womenspeacepalestine.org

 

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