„Nie wieder für alle Völker“: Dr. Sami Ayad, Ehrenpräsident der Palästinensischen Gemeinde in Österreich, hält bewegende Rede beim Wiener „Song Protest 2026“
2026-05-15

WIEN — 15. Mai, während in Wien der Eurovision Song Contest stattpfand, formierte sich eine breite Allianz aus Kulturschaffenden, Menschenrechtsaktivisten und Community-Organisationen zu den Gegenmanifestationen des „Song Protest 2026“. Unter dem weltweiten Motto „No Stage for Genocide“ (Keine Bühne für Völkermord) protestierten die Initiatoren gegen die Normalisierung von Völkerrechtsverletzungen und forderten Solidarität mit der palästinensischen Bevölkerung.
Parallel zum Nakba-Gedenktag fand am Maria-Theresien-Platz eine große Kultur- und Solidaritätskundgebung statt, an der internationale Künstler und Redner teilnahmen. Zu den eindringlichsten Momenten zählte das persönliche Zeitzeugnis von Dr. Sami Ayad, dem Ehrenpräsidenten der Palästinensischen Gemeinde in Österreich. Nachfolgend finden Sie den vollständigen Wortlaut seiner Rede:
„Meine Damen und Herren, liebe Freunde!
Mein Name ist Sami Ayad. Ich wurde im Nov. 1944 in Jaffa als achtes Kind von 9 geboren. Ich habe es noch vor meinen Augen als 4-Jähriger, wie mein Vater, weinend, am Ende des Lastwagens mit meinen älteren Geschwistern saß, und wir Kinder in einem PKW hinterher Richtung Ägypten gefahren sind. Wir sind mit dem, was wir am Körper hatten, geflohen, nachdem fast alle Bewohner der Vororte durch die Israelis nach der Ausrufung des Staates Israel getötet worden waren. Das ist eine Tatsache, meine Damen und Herren, sonst hätte mein Vater nie seine Geschäfte, Plantage und Häuser so einfach zurückgelassen.
Und das geschah, obwohl in der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel betont wird, ich zitiere: Der Staat wird allen seinen Bürgern ohne Unterschied von Religion, Rasse und Geschlecht soziale und politische Gleichberechtigung verbürgen, er wird Glaubens- und Gewissensfreiheit, Freiheit der Sprache, Erziehung und Kultur gewährleisten, die Heiligen Stätten unter seinen Schutz nehmen und den Grundsätzen der Vereinten Nationen TREU bleiben.
Meine Damen und Herren, nichts von alldem wurde gehalten. Fast EINE Million Menschen wurde vertrieben, Tausende ermordet. Keine einzige UNO-Resolution für die Rechte der Palästinenser wurde befolgt. Und langsam, nach 78 Jahren, hat sich ein wahrer Apartheidsstaat entwickelt mit Trennmauern, hunderten Kontrollpunkten und illegalen Siedlungen. Und das TRAURIGE jetzt ist, dass 75% der Israelis für die Weiterführung des Krieges sind und 50% für die Vertreibung aller Palästinenser sprechen.
Meine Damen und Herren, meine Freunde, diese Haltung, diese Einstellung darf NICHT belohnt werden. Diese israelische Regierung mit ihren Gräueltaten im Namen der Selbstverteidigung darf sich hier in Wien NICHT reinwaschen.
Der 5. Mai war der Gedenktag für die Befreiung von Mauthausen. Dabei wird immer wieder betont: NIE WIEDER. Ja, meine Freunde, NIE NIE WIEDER für alle Völker.
ICH danke Ihnen.“
quelle:
https://www.palaestinasolidaritaet.at/2026-05-20-rede-von-dr-sami-ayad/
Parallel zum Nakba-Gedenktag fand am Maria-Theresien-Platz eine große Kultur- und Solidaritätskundgebung statt, an der internationale Künstler und Redner teilnahmen. Zu den eindringlichsten Momenten zählte das persönliche Zeitzeugnis von Dr. Sami Ayad, dem Ehrenpräsidenten der Palästinensischen Gemeinde in Österreich. Nachfolgend finden Sie den vollständigen Wortlaut seiner Rede:
„Meine Damen und Herren, liebe Freunde!
Mein Name ist Sami Ayad. Ich wurde im Nov. 1944 in Jaffa als achtes Kind von 9 geboren. Ich habe es noch vor meinen Augen als 4-Jähriger, wie mein Vater, weinend, am Ende des Lastwagens mit meinen älteren Geschwistern saß, und wir Kinder in einem PKW hinterher Richtung Ägypten gefahren sind. Wir sind mit dem, was wir am Körper hatten, geflohen, nachdem fast alle Bewohner der Vororte durch die Israelis nach der Ausrufung des Staates Israel getötet worden waren. Das ist eine Tatsache, meine Damen und Herren, sonst hätte mein Vater nie seine Geschäfte, Plantage und Häuser so einfach zurückgelassen.
Und das geschah, obwohl in der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel betont wird, ich zitiere: Der Staat wird allen seinen Bürgern ohne Unterschied von Religion, Rasse und Geschlecht soziale und politische Gleichberechtigung verbürgen, er wird Glaubens- und Gewissensfreiheit, Freiheit der Sprache, Erziehung und Kultur gewährleisten, die Heiligen Stätten unter seinen Schutz nehmen und den Grundsätzen der Vereinten Nationen TREU bleiben.
Meine Damen und Herren, nichts von alldem wurde gehalten. Fast EINE Million Menschen wurde vertrieben, Tausende ermordet. Keine einzige UNO-Resolution für die Rechte der Palästinenser wurde befolgt. Und langsam, nach 78 Jahren, hat sich ein wahrer Apartheidsstaat entwickelt mit Trennmauern, hunderten Kontrollpunkten und illegalen Siedlungen. Und das TRAURIGE jetzt ist, dass 75% der Israelis für die Weiterführung des Krieges sind und 50% für die Vertreibung aller Palästinenser sprechen.
Meine Damen und Herren, meine Freunde, diese Haltung, diese Einstellung darf NICHT belohnt werden. Diese israelische Regierung mit ihren Gräueltaten im Namen der Selbstverteidigung darf sich hier in Wien NICHT reinwaschen.
Der 5. Mai war der Gedenktag für die Befreiung von Mauthausen. Dabei wird immer wieder betont: NIE WIEDER. Ja, meine Freunde, NIE NIE WIEDER für alle Völker.
ICH danke Ihnen.“
quelle:
https://www.palaestinasolidaritaet.at/2026-05-20-rede-von-dr-sami-ayad/
